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C18

Link: linnaeus.c18.net/Letter/L2015 • Dorothea Catharina Helena Strumpff to Carl Linnaeus, 3 February 1756 n.s.
Dated . Sent from Halle (Germany) to (). Written in German.

HochWohlgebohrner
Herr
HochGelehrter Herr und Gönner
Gnädigster Herr,

Die unschätzbahre Gewogenheit welche Ew. HochWohlGb. als eine Zierde und wahrer Kenner der Wissenschaften in Hoch Deroselben Geneigten Antworts Schreiben vor meinen seel. Mann zu erzeigen beliebt, ingleichen das Grossmuthige Mittleiden welches Ew. HochWohlGb. über meinen und meines Vaterlosen Kindes betrübten Zustand Hochgeneigt erwiesen, haben mir ein so lebhaft Bild von Ew. HochWohhlGb Edelen Gesinnung beygebracht, dass ich nicht unterlassen kan für diesen an meinen Kummer genommenen Antheil durch diese geringe Zeilen den unterthänigsten Danck abzustatten, und zugleich Deroselben Befehle von meinen Kinde und übrigen Umstände einige Nachricht einzusenden hiemit Gehorsam zu leisten. Mein seel. Mann ist zu meinen desto grössern Schmertz sehr früh verstorben, es war selbiger erst in 43 Jahre seines Alters und wurde den 29 Septembr. 1754 von einen unverhoften Schlag-Fluss so geschwind überfallen dass er binnen ¼ Stunde gesund und Todt war. Er hat bey hiesiger Universität als Doctor Medicine und Professor publicus extraordinarius der Chymie und Botanic sich 9 Jahr lang mit diesen Wissenschaften beschäftiget, allein Er war nicht so glücklich durch Besoldung einige belohnung vor Seinen unermüdeten Fleiss zu erlangen, vielmehr ward Er genöthigt Seine und meine wenigen Mittel zum besten der Studierenden Jugend anzuwenden, um sich dadurch Bibliothec, Laboratorium Chymicum, nebst andren nöthigen Dingen anzuschaffen, und dieses that Er um so viel williger weil Er durch einen künftigen Jährlichen Salario Seinen Schaden nach und nach zu ersetzen glaubte, allein Sein Glück schien Ihm zur Unzeit bestimt zu seyn indem Er inst den Tag vorher mit einen Salario von Ihro Maiestät unsern Allergnädigsten König begnadigt wurde, als Er den andren Tag so plötslich das zeitliche verliess. Ew. HochWohlGb. können meinen darüber erlittnen gerechten Schmertz leicht erachten, da ich mich numehr nebst meinen unerzogenen Kinde von einen zärtlichen Beschützer und Treuen Vatter verlassen sehn musste, das viele Haus Creutz so mir in unsrer 8 Jährigen Ehe erfahren verursachte dass wir genöthiget waren einige Schulden zu machen welche ich aus dem von der Bibliothec gelösten Gelde ietzt bezahlen muss, und bleibt mir also von der Verlassenschaft meines seel. Mannes nichts übrig als Sein guter Ruhm welcher mir unschätzbahr ist, wir haben in unsrer Ehe nur einen Sohn gehabt welcher ietzt 6 u. 3/4 Jahr ist und Gott lob bisher ein sehr Hoffnungs volles Kind, mein seel. Mann hielt ihm zeitig zur lateinischen Sprache an worinnen ers nach seinen Jahren schon ziemlich weit gebracht, allein um desto mehreren Schmertz verursachts mir so oft ich ihm aufmerksam betrachte, und zugleich erwäge wie früh wir leider beyderseits unsern Versorger beraubt seyn worden, indem mein Alter ebenfals noch nicht das 24ste Jahr erreicht hat und doch den höchstbetrübten Wittwen Stand schon leider erfahren muss, wodurch ich nummehr um so viel weniger im Stand bin meinen Kinde die gehörigen Mittel was zu erlernen zu verschaffen, indoch erwarte ich die Hälfte Desienigen de[r] mir diesen so harten Stand auferlegt hat, und davon habe ich schon unzehliche Proben wie viel Nutzen der hinterlassne Seegen rechtschaffner Männer den hinterbliebnen bringt, dieses sind ohngefähr die Umstände so ich auf Ew. HochWohlgb. Befehl mir die freyheit genommen von mir u meinen Kinde zu melden, übrige[ns] recommandire mich zu Ew. HochWohlGb. ferneren Gnade und hohen Gewogenheit und bitte mir zu erlauben dass ich Zeitlebens mit grosster veneration mich nennen darf.

Hoch Wohlgebohrner Herr
HochGelehrter Herr und Gönner
Gnädigster Herr
Dero
untherthänigste

Dorothea verwithwete Strumpffin.

Halle
d. 3 Febr.
1756.

P.S. Es ist von meinen seel. Vatter, welches der Doctor u. Professor Schultze wahr eine rahre Samlung von alten antiquien Müntzen vorhanden, solten Ew. HochWohlGeb. ein Liebhaber von solchen seyn so erwarte Dero Befehl ob ich so frey seyn darf, wenn Ew. HochWohlGb. die von mir ersandenen Bücher abholen lassen einen Catalogum von erwehnten Müntz-Cabinet mit zu überschicken.

upSUMMARY

Dorothea Catharina Helena StrumpffStrumpff, Dorothea Catharina Helena
(1732-?). German. The wife of
Christopher Karl Strumpff and daughter
of Johann Heinrich Schulze.
Correspondent of Linnaeus.
is grateful to Linnaeus for a letter in which he has expressed his compassion for her and her fatherless children [this letter has not come down to us]. On 29 September in 1754 her husband [Karl Christopher StrumpffStrumpff, Christopher Karl
(1711-1754). German. Doctor of medicine
and professor of chemistry and botany in
Halle, edited Linnaeus´s Genera
plantarum
(Halle 1752). Husband of
Dorothea Catharina Helena Strumpff and
son-in-law of Johann Heinrich Schulze..
] died of an unexpected stroke. Within fifteen minutes he was both well and dead. He was only forty-three years old. He had been Professor of Chemistry and Botany for nine years. His salary was not so good. He had had to buy his own library, laboratory and other things that were needed. He also helped his students financially. There were also debts that had to be paid with the money she received from the sale of her husbandís library. The only thing that was left for her is her husbandís good reputation. She herself is not yet 24 years old; her son is six years old. It will be very hard for her to bring him up.

P.S. Mrs Strumpff has a great collection of old coins which she has inherited from her father, Professor Schultze [Johann Heinrich SchulzeSchulze, Johann Heinrich
(1687-1744). German. Professor of
medicine in Altdorf and Halle,
polyhistor. Father of Dorothea Catharina
Helena Strumpff and father-in-law of
Karl Christopher Strumpff.
]. If Linnaeus is interested, she could send him a list.

upMANUSCRIPTS

a. original holograph (LS, XIV, 354-355). [1] [2] [3]