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C18

Link: linnaeus.c18.net/Letter/L3064 • Georg Dionysius Ehret to Carl Linnaeus, 2 April 1762 n.s.
Dated 2 Aprill, 1762. Sent from London (Great Britain) to (). Written in German.

HochEdelgebohrner Herr,
Hochwehrtester Freund und Gönner

Ich empfing Dero HochzuEhrendes von dem Herrn Dr Solander Solander, Daniel (1733-1782).
Swedish. Naturalist, explorer. Student
in Uppsala under Linnaeus and Johan
Gottschalk Wallerius. Went to London in
1760. Curator of natural history
collections at the British Museum.
Botanist on Cook’s first voyage
1768-1771. Joseph Bank’s librarian.
Correspondent of Linnaeus.
mit dem grösten Vergnügen,[1] und nichts erfreuet mich mehr als wann ich höre, dass mein HochEdelgebohrner Herr sich noch wohl befindet, und ich wünsche von Hertzen noch viele Jahre gesundheit, damit die Welt in der Naturwissenschaft durch Ihre gelehrte schrifften noch mehr mögte bereichert werden.

Dass ich aber so viele Jahre an meinen Edlen Freund und Patron nicht geschrieben gestehe, ist ein Fehler von mir, aber wann ich Ihnen verschiedene umstände sollte erzehlen, absonderlich wie es mir gegangen, nachdeme ich in dem Botanischen Garden zu Oxford erwehlet wurde, würder Sie sich nicht wundern; aber alle diese. Fataliteten hier anzuführen, ist zu weitläuffig; Da nun, meine lebensart in der Botanique in Oxford nicht nach wunsch aussfiel, und die Underdruckung, grosse Jalusien des Professor SipthorpsSibthorp, Humphrey (1713-1797).
British. Succeeded Johann Jacob
Dillenius as Sherardian professor of
botany at Oxford. Father of John
Sibthorp. Correspondent of Linnaeus.
gegen mich so gross war, begehrte ich nach einem Jahr Dienste mein Dimissionn, und suchte meine lebensart wiederum unter der Noblesse, Dieselbe in dem Blumenmahlen und Botanique zu instruiren, denen es lieb war das ich Oxford quillirte, und es ist mir bisshero sehr wohl gegangen.

Ich nehme mir anjetzo die gelegenheit, meinen Hochgeehrtesten Herrn zwey Zeichnungen von raren Pflantzen zu schicken, das eine ist ein gemählte auf Pergament, das unter dem Nahmen Amsonia insgemein genennet wird.[2] [a][a] : MS1 [added in the left
margin
] Anonymos? &c. Vid. Flor.
Virg. Pag.26
class="flyingnote">[5] Ich weiss schon, dass Herr Dr Solander den Character dieser Pflantze überschicket hat,[3] aber das hindert mich doch nicht, das gemählte und meinen Character der Pflantze auch zu schicken.

Die Pflantze war nicht grösser, als wie hier vorgestellet, aber nach der blüthe bekomt Sie oben Seiten Zweige, die fast noch einmal so lange wachsen, als das gemählte hier vorstellet; Diese SeitenZweige haben nicht die stärcke gerathe hinauff zuwachsen, sondern biegen sich etwas herum. Den Character dieser Pflantze völlig zu beschreiben halte ich vor unnöthig. Dann die Zergliederung der blumen stellen einen jeglichen Theil deutlich vor.

Ich will hier nur anführen, was mir das merckwürdigste in diesem Character vorkam, dass die Corolla in der Mitte der blume mit vielen haaren bewachsen ist, welche die Apices völlig bedecken. Die Filamenta sind in dem auffschwellenden Tubo[b][b] : MS1 [added in the left
margin
] Stylo subinfluxu
angewachsen; diese haben Apices welche kleine Sagittas vorstellen. Der Stylus geht nicht gerathe hinauf, sondern bieget sich etwas herum. Das Stigma ist rund, und köpfigt, und nicht höher als die Apices.

Diese Pflantze hat hier noch keine reife Siliquas gebraucht, die hier vorgestellten Siliquae, kamen mir unvollkommen in meine Hände mit doeser Aufschrifft: Per. Folliculi duo teretes longi acuminati, deorsum reflexi, univalvi, longitudinaliter dehiscens. Sem. Pauca cylindracea scabra cinnamomi coloris, tertiam partem unciae longa.

Da nun diese Pflantze noch keine reiffe Saamen Capsuln in England hervorbrachte, war ich genöthiget, ihr Germen, so gut wie ich konte, durch das Microscopium zu examiniren. Die Theile sind deutlich vorgestellet in den 3 letztern Fuguren, das Germen von einem ist nach der Quere, das andere der länge nach merckwürdig vorkam, wahr der Stylus. Daran habe wahrgenommen, das Sie zwey zusammen gewachsene Styli sind, denn es gieng ein strich durch die mitte auff beyten seiten der Vagina, als hätte ein jegliches Germen gleichsam seinen besondern Stylum, dann dass Germen zertheilt sich gar leicht in zwey theile.

Die andere Pflantze, die nur mit auswendigen Linien bezeichnet ist, scheinet mir benfalls ein gantz neues Genus zu zeyn. Der Character dieser blume kombt mit dem Lythospermo am nächsten überein. Ich will aber nicht behaubten, dass diese Pflantze absolute under das Genus gehoret. Dann die fleischigte Frucht, under der zuwachsende Calyx differire weit davon.

Diese Pflantze wächset nich viel höher als hier vorgestellt, seine Stengel wachsen directione incurvata, seyend succulent und met zarten Stacheln besetzet. [c][c] : MS1 [added in the left
margin
] caule succu-lento hispido.
Die Zweigen kommen alternatim herfür, sind besetzet mit ungleichen foliis pinnatis. Ehe man die blume von dieser Pflantze siehet, hat nie das ansehen als wäre ess eine kleine species Lycopersici. Den gantzen observierenden und zergliederten Character zu beschreiben, dencke ich hier auch vor unnöthig (alles dieses muss ich einem Schwedischen Dioscoridi[4] überlassen, dem kein Mensch in der Botanique übertreffen kann) weilen alle Theile nach der proportion deutlich vorgestellet seyend. Das merckwürdigste aber war die fleischigte frucht, die nach meiner meinung kann Fructus hispidus fere testiculatus carnosus beschrieben werden. Diese Frucht enthält in sich 4 Semina rutunda rugosa. Wann diese Frucht über die quere geschmitten wird erscheinen nur zwey, der lange nach aber 4 Saamen, dieses ist eine besondere beschaffenheit in dieser Saamen Capsul.

Wann diese meine wenige und geringe undersuchungen und Zeichnungen von diesen zwey Pflantzen mein HochEdler Freund würdig achtet entweder an die StockholmischeKungliga Svenska Vetenskapsakademien,
Swedish. The Royal Swedish
Academy of Sciences, Stockholm. Founded
in 1739.
oder Upsalische Königlicje SocietetKungliga Vetenskaps-Societeten i
Uppsala,
Swedish. The Royal
Society of Sciences at Uppsala was
founded in 1728.
zu praesentiren, wird mir dadurch die gröste Ehre wiederfahren.

Ich bin und verbleibe mit der grösten hochachtung
meines HochEdlen Freundes
gehorsambst verbundenster Diener

G.D. Ehret.

London Parkstreet d 2 Aprill, 1762

upSUMMARY

Not yet available

upMANUSCRIPTS

a. original holograph (LS, III, 417-418). [1] [2] [3]

upTEXTUAL NOTES

a.
MS1 [added in the left margin] Anonymos? &c. Vid. Flor. Virg. Pag.26[5]
b.
MS1 [added in the left margin] Stylo subinfluxu
c.
MS1 [added in the left margin] caule succu-lento hispido.

upEXPLANATORY NOTES

1.
Linnaeus to Georg Dionysios Ehret, 12 April 1759 n.s.Letter L2532.
2.
The two drawings of Ehret were of Amsonia and Ellisia, see Ehret to Linnaeus, 18 February 1769 n.s.Letter L4185 and Linnaeus to Ehret, March 1769Letter L4191.
3.
Daniel Solander gives information on the Amsonia with an enclosed illustration in a letter to Linnaeus, 16 November 1761 n.s.Letter L2993, in Solander, Collected correspondenceSolander, Daniel Collected
correspondence 1753-1782
, eds. E.
Duyker & P. Tingbrand (Oslo,
Copenhagen & Stockholm 1995).
, 190-193, but without mentioning Ehret’s name in that context.
4.
Ehret means that Linnaeus is the Swedish DioscoridesDioscorides, Pedanius (1st
century AD). Greek. Naturalist and
botanist.
. Linnaeus received the honorary name of Dioscorides II, when he in 1736 became a member of the Academia Caesarea Leopoldino-Carolina Naturae CuriosorumAcadémie. Nürnberg,
German.
.
5.