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C18

Link: linnaeus.c18.net/Letter/L5086 • Johan Gerhard König to Carl Linnaeus, 14 February 1775 n.s.
Dated 14. Febr. 1775. Sent from Tranquebar (India) to Uppsala (Sweden). Written in German.

Tranquebar d. 14. Febr. 1775.

Hoch Wohlgebohrner Herr Ritter und Archiater, Sehr Führnehmer Gönner!

Ewer Hochwohlgebohrnen habe wiederum die Ehre mit einen Schreiben aufzuwarten, obschon ich seit 3en Jahren nicht dass Glück genossen habe ein Schreiben von der Hand des Herren Archiaters zu erhalten, hierzu komt noch dieser verdrüssliche Umstand, dass ich die 2te Mantissa noch bis jetzt nicht erhalten habe. Vor 2en Jahren sente die Beschreibung des Saururi und einer Vinca parviflora über diese Beyde habe in dem Horto Malabar. gezeichnet gefunden. Verwichen Jahr hatte eine fürtreffliche Gelegenheit den Herren Archiater was zu übersenden, durch einen Lands Mann, der als Buchbinder hier gestanden hatte, ich hoffe dass dieses übergesante wohl conditioniret wird angekommen seyn, unter diesen befand sich eine Beschreibung eines Stauden Gewachses, welche ich dem Herren Professor Friis zugeeignet habe, dieses habe in den 6ten Theil, Tab. 59, wo es Sida-Pou genant wird, gezeichnet gefunden des Horti Malabarici. In diesem Jahr habe die Ehre den Herren Archiater viele Kraeuter zu senden, davon ich glaube dass ein Theil neue seyn werden, alleine ich habe sie mit vielen Zerstreuenngen gesamlet und beschrieben, davon ich unten naeher die Ehre haben werde den Herren Archiater bericht aufzustatten; die feinen Grass Arten sind mir dieses Jahr was schwehr gewesen zum examiniren, weil der Fluss am Auge den ich im vorigten Jahr mich zuzog noch anhaelt und wechselweiss übler wird; ich habe in den Nahmen eines kleinen Grasses fehl genommen den ich aus einem Gedaechtnissfehler Nardus genant, welches aber ein Aegilops ist, indess so habe einen Nardum an selbigen Orten gefunden den ich auch den Herren Archiater mit gesandt habe denen übrigen habe ich kurtze beschreibungen beygeleget so gut wie ich es habe dieses mahl machen können. Die Aristida welche ich als neu mitsende habe hernach zwischen denen Bergen in der Nachbahrschafft des Grossen Thomas Berges, und nun neulich bey Pondycheri sehr haeufig an hohen steinigten Stellen gefunden; ich habe den Bey-Nahmen Momblon beygefüget aus der Uhrsache weil ich es zuerst in den Garten des Vornehmen Handels Mann Herren Andreas Ross gefunden habe welcher diesen Nahmen führet. Und weil benanter Herr mein grosser Beförderer und Wohlthaeter, ich auch durch die Lage des Gartens in der Benachbahrschafft der Thomasberge die Gelegenheit genossen sie recht durchzusuchen, so habe hiemit ein kleiner Ehren Denckmahl davon stifften wollen, welches ich dem Beyfall des Herren Archiaters hiemit bestens empfehle, Einen Syngenesisten der mir neu scheinet seinem Geschlecht nach zu seyn, habe den Ersten Leib Artzt des Nababs von Arakat gewidmet, durch seiner Vermittelung bin in den diensten des bemeldeten Nababs gekommen als Natur-historicus, mit 250 Rd. monathliches Gehalt und 2 Courant Ducaten taeglicher Diaet Gelder auf Reisen, durch Ihm habe den Hortum Malabaricum zum Gebrauch erhalten. Er ist auch derselbe welcher der Lady Ann Mohnson ein praechtiges Exemplar eben bemeldeten Horti Malabarici gegeben hat. Er ist zugleich ein grosser Liebhaber der KraeuterKunde und ins besondere sind Ihm die Parsianische und Thamulische Nahmen der Kraeuter sehr bekant; hiernaechst ist Er ein Mann von grossen Reichthum. Sein Nahme ist Boswal, und weil diese Pflantze sehr starck nach Fenchel smeckt, so habe ich sie also Boswallaea foeniculacea genant, die Mauren lieben ins besondere diese Pflantze, und kommen ihre blaetter unter ihren Karrien, oder scharfen brühen mit, in der Medicin hat es noch keinen Gebrauch gefunden; den Triandristen, welcher mir unter den Ensatis zu gehören scheinet überlasse der Güte des Herren Professors nebst allen übrigen beliebig zu benennen, nur für der Boswallea lege meine Bitte dar, dass wenn es seyn konte dass es hiebey bliebe. Ich wolte zuerst Ihm die Barleria longiflora zueignen, aber wie ich examinirte so fand dass sie schon unter einen Nahmen rangirte. Mich dauret sehr dass ich nicht habe Saamen von allen diesen neuen Dingen mitsenden können, alleine da sie aufgefangen werden so habe den Herren Professor Friis gebehten dass Er den Herren Archiater etwas mittheilen soll, so bin ich gewisser dass es richtig eintreffen wird. Der Lady Ann Mohnson habe in specifiquen Nahmen mir die Freyheit genommen eine Pflantze bey Ihrer Glücklichen Ankunfft in Indien zu widmen. Ich habe von dieser Pflantze haeufige exemplarien für den Herren Archiater eingeleget sie scheinet mir der Celosia am meisten zu gehören und daher habe ich sie Celosia Mohnsoniae genant, ich muss den Herren Archiater diese particulitaet davon mit erzählen dass ich in eben den Tag Ihrer Ankunfft diese schöne Pflantze fand, an den Herren Doctor Solander habe unter einigen und 300 Arten Saamen auch dieser ihre mit gesant, ich habe dass Glück gehabt Ihr vorgestelt zu werden, und wegen gemeinsahmer Profession bin so glücklich zugleich dass mir eine Correspondence erlaubet worden ist wozu ich auch schon den Anfang gemacht habe.

In denen Bergen vor Sadrass fand vor 4 Tagen eine neue Lavandula vorigten herbst fand nur die Blaetter, jetzt fand sie in Blüthen ohne Blätter, ich habe die Spicae nach meinen erachten in dem Horto Malabar. gezeignet gefunden, aber mit Graass aehnlichen blaettern solte sich nicht hier der Herr Verfasser haben verführen lassen von denen schwartzen, die aus Mangel anderer Blaetter Ihm freude dargebracht haben, wie Burman es mit der Ptelea viscosa ihrer Blüthen scheinet gemacht zu haben? Herren Professor Friis habe guten reifen Saamen davon mit gesant mit denen Monöc. dioischen und polygamistischen Pflantzen habe viele Mühe mir gemacht, diese sind schwehrer weil man nicht immer ihre Geschlechter beysammen findet, wegen Mangel der Zeit habe ich keine Beschreibungen und also auch keine Pflantzen recht senden können, so Gott will werde künfftiges Jahr, diese den Herren Archiater zusenden. Ich bedaure sehr dass meine Zeit so sehr kurtz gewesen ist, zum Anwenden des jetzigen Schreibens, indem ich seit vorgestern Abend von Madrass hier retourniret bin. Jetzt will die Ehre haben etwas von meinen Umstaenden zu erzählen. Nachdem ich so wenige satisfaction hatte, und so sehr in denen Missions Diensten eingeschraenckt leben musste, so fasste den Entschluss auf Zurede einiger Herren Engelaender, diese zu quittiren, ich reisete daher im vorigten Herbst nach Madras, und endigte die Sache bis so weit dass ich mit dem Anfang dieses Jahres in dem Dienste des Nababs treten solte, welches ich auch gethan habe, die Gage ist gross, aber sie richtig zu erhalten erfordert ein eigen temperament, dass meinem gantz entgegen gesetzt ist; dass Arrangement ging sehr langsahm zu nach Art der Morgenlaender mit vielen Umschweifen, wenn dieses nicht also wäre gewesen so hatte dieses mahl eine viel zahlreichere Samlung mehr regulirt übersenden können, ich wurde zur endlichen Entschliessung aufgehalten bis 8 Tage vor Abgang dieses Schiffes, wo ich den endlich auf drang dass meine Sache abgemacht seyn möchte, ich erreichte es den also zum theil da aber so wenige Sicherheit hiebey ist, so bitte hiemit sehr den Herren Archiater dass ich durch Dero Empfehlung bey den Herren Doctor Solander dass Glück erreichen möchte in denen Diensten des Königes von Engeland als hiesiger Naturhistoricus zu kommen; es haben mich die Herren Engelaender selbst hierzu Anleitung gegeben, wozu sie beygefüget, dass schon die Englische Compagnie einen in dieser Zeit dergleichen auf der Ost-Küste von Indien gehabt, welcher ein Sohn des berühmten Pilip Millers gewesen und nun vor kurtzem auf Bencaulen verstorben ist. Ich weiss die Empfehlung des Herren Archiaters wird mir dass wichtigste seyn dass ich alleine dadurch mein Glück erreichen werde, darum so flehe sehr um diese Wohlthat an, welche ich lebenslang erkennen, und es wieder nach allen Krafften mit Danckbahrkeit Hochachtung und Fleiss trachten werde es zu verschulden. Ich habe die Ehre von den Herren Archiater gekant zu werden, waeren Mangel an mir diese will so bald ich weiss, verbessern, ablegen, worinnen sie bestehen. Bis jetzt habe übrigens nur kümmerliche und betrübte Tage überlegen müssen in Indien; diese zu erleichtern, mein Schicksaal mir ertraeglicher zu machen stehet in der Hand des Herren Archiaters welches nur ein Empfehlungs Schreiben ausrichten kann.

Die Absicht meiner ersten Reise war auf einer kleinen Zeit nach Zeylon, aber man ist dem entgegen, indess ist es noch nicht entschieden; ich werde sorgen Nutzen zu schaffen wohin ich auch reise. Ich empfehle mich der hohen Gewogenheit des Herren Archiaters, nie werde mit Hochachtung und Treue aufhören zu seyn

Ewer Hoch-Wohlgebohrnen
Untertähnigst gehorsamster Diener
Johann Gerhard König

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a. original holograph (LS, VIII, 199-200). [1] [2] [3]