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C18

Link: linnaeus.c18.net/Letter/L5140 • Lorenz Spengler to Carl Linnaeus, 19 September 1775 n.s.
Dated 19. Septbr. 1775. Sent from København (Denmark) to (). Written in German.

Hochwohlgebohrner Herr Archiatre
Hochgeneigter Gönner!

Von einem Freund, der sich in diensten der Asiatischen Compagnie, schon einige Jahre in China aufgehalten, erhielte ich dieses Jahr einen Theil Chinesischen Blumen und Frucht-Samen. Sie waren überaus wohl verwahrt und in Porcelan gefässen eingeschlossen. Und da auch das Schiff selbst eine geschwinde Reise gemacht hat, so glaube ich das gedachte Samen ganz frisch und wohl behalten seyn werden. Ich zweyfle nicht daran das Ew. Hochwohlgeb. nicht durch den gleichen Weg, dergleichen Samen auss diesem entfernten Welttheil zu erhalten wissen werden, indessen könte es doch leicht seyn das einige besondere oder neue Arten sich darunter finden könten, und in dieser Vermuhtung nehme mir die Ehre mit etwas von diesen Blumen- und Fruchtsamen Ew. Hochwohlgebohrnen aufzuwarten. Seit der Zeit das ich vormahls Ew. Hochwohlgeb. hochgeneigten Zuschriften gewürdiget worden, und seit unser unsterbliche Freund der seel. Forskål sein kostbares Leben in Arabien geendiget seitdem hat sich mein Conchylien Cabinet ganz erstaunlich erweitert und vergrössert. Lange schon bin ich von inn- und ausländischen Freunden der Naturhistorie ersucht worden ein Verzeichniss darüber zu schreiben und drücken zu lassen. Ich finde es auch in Absicht des Interesse meiner Famillie für höchst nohtwendig, weil ohne ein solches Verzeichniss nach meinem Tode vieles von ihrem Wehrt verliehren würde. Ich bin also gesonnen, und habe schon allbereits einen Anfang gemacht, einen sogenanten Catalogue Raisonée über meine Conchyl. Samlung zu schreiben. Ich werde sie gänzlich nach der Methode von Ew. Hochwohlgeb. neuesten Natur-System aufstellen, weil solches allerdings das fasslichste, bestimteste und natürlichste von allen bekanten Conchylien methoden ist.

Ich werde suchen, um den Conchyl. Samlern nüzlich zu seyn, jedes Geschlechts Kennzeichen umständlicher zu umschreiben als es sich in einem Classischen Werck der Kürze wegen hat können thun lassen. Da ich schon lang die Linnéische Methode, als ich aller vollständigste studiert, so fält es mir nicht schwehr sie als meinen Leitfaden zu gebrauchen. In den Beschäftigungen der Gesellschaft Naturforschender Freunde in Berlin, habe ich aussert dem Oscabiörn und dem Chiton, eine ganz neue Species einer wunderschönen Telline von den Friderichs-Insuln beschrieben, und neben dem Cedo Wulli eine neue Art Helix aus der Südsee. Ich besize noch viele neue und prächtig schöne Arten die uns ein Bancks und Solandre auss dieser neuen Welt Gegend mitgebracht. Es ist sonderbar das diese Conchyl. aussert das es ganz neue Arten sind, auch in ihren Farben, in ihrem Perlenmuter Glanz und Feinheit ihrer äussersten Haut, die vorhie bekanten ungemein übertreffen. Die ächte Wendeltoeppen (Turbo Scalaris) bekomen wir hier von Tranquebar, von schöner Grösse und leidliche Preise. Die Mährischen Brüder haben daselbst den Ort entdeckt wo sie gefischt werden. Es ist die so genante AdamsBrücke, gegen-über von Ceylon. Durch den fleiss dieser leute hat die Naturhistorie, und besonders die Conchyologie, sehr vieles gewonnen, und hat von ihnen noch vieles zu hoffen nachdem sie sich nunmehro auf dennen naturreichen Niquebarischen Insuln ein Etablissement errichtet. Man glaubt hier das der hiesige Professor Oeconomie Fabritius, nach der Universitet Kiel als Professor der Naturhistorie versetzt werden möchte.

Der Überbringer dieser Zeilen, nebst einer kleinen Schachtel mit oben gedachten Chinesischen Samen, ist der Hr. Magister Schulz, welcher eine gelehrte Reise unternohmen um sich in der Naturhistorie, welches sein eigentliches Fach ist, neue Käntnisse zu samlen. Und wo könte er an einem andern Ort als in Upsala besser zu seinem Zweck gelangen, wo er den Ersten und grössten Naturlehrer Europens antrift.

Das Leben Ew. Hochwohlgeb. müsse das längste unter den sterblichen werden, weil niemand unter denselben mehr von den Wercken und Naturwundern unsers Majestetischen Gottes geredet und geschrieben hat als Dieselben! Mit gränzenloser Hochachtung habe die Ehre zu seyn

Ew. Hochwohlgebohrnen!
ganz ergebenster Diener
Lorenz Spengler
Königl. Kunstkammer Verwalter.

Copenhagen d. 19 Sept.
1775.

upSUMMARY

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upMANUSCRIPTS

a. original holograph (LS, XIV, 210-211). [1] [2] [3]

upEDITIONS

1. “Af Linnés brevvexling” (1871), p. 436   p.436.