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C18

Link: linnaeus.c18.net/Letter/L5426 • Peter Forsskål to Carl Linnaeus, 4 September 1761 n.s.
Dated 4 Sept. 1761. Sent from Istanbul (Turkey) to Uppsala (Sweden). Written in German.

Hochwohlgebohrner Herr Archiater und Ritter vom Nordstern-Orden

Auf einigen von den Fragen des Herrn Archiaters kann ich jetzt die Ehre haben zu antworten.

Hermodactylus officinarum ist in Syrien sehr allgemein, aber auch hier nicht nach seinem Geschlechte bekant. Einer aus Aleppo der ein halber Medicus und botanicus ist, hat mich zuverlässig versichert, dass er nicht wie ein Iris wachse, sondern wie ein Colchicum, blühet gelb, ohne Blätter, mit einem langen Stiel unter der Blume.

Das Leuchten des Seewassers kommt nicht ordentlich von Nereis noctiluca her. Das Seewasser leuchtet alle nächte, mehr oder weniger. Wenn dieses gar nicht gesehen wird, ist die Helle des Nachts von Mond- oder Sonnenschein die Ursache dazu. Ich habe das wasser mit dem von H. Ellis gebrauchten Cuffischen microscop oft und genau besehen, aber nicht die Nereiden oder was anderes Lebendiges, wovon das Licht herkäme gesehen. Wenn man Seewasser durch vierfaches Löschpapier siebt, leuchtet es nicht mehr, aber die Saltzigheit bleibt doch einerley. Also muss das Licht auch nicht in dem Saltze, sondern in dem Schleimichten Wesen das abgesiebt werden kann, stecken. Die Frage wird also nur wo dieser leuchtende Schleim herkomt? Herr Archiater haben selber angemerkt, dass fast alle Mollusca marina leuchten. Die schleimichten Medusen thun es besonders da sie gerieben, geworfen aus einem Gefass ins andere, oder aus einer Hand in die andere gelassen werden. Keine aber habe ich so starck leuchten sehen als eine braunwartzigte Medusa, die die Medusa pelagica, die H[err] Löfling gar zu kurtz beschrieben, sein wird, und die Medusa Beroe fast noch mehr. Wenn man diese beide im dunckeln auf Holtz zerreibet, sieht es nicht anders aus, als ob man lauter Funken daraus säete. Diese Funken leuchten eine kleine weile. Wenn man aber wieder wasser auf demselben Holtz giesst, dass der abgeriebene Schleim in Bewegung kommt, sieht es wieder aus als wie das Holtz mit lauter Funken bestreuet wäre. Dies kan man sehr oft wiederhohlen. Die Medusa verrucosa oder pelagica hab ich auch in Wasser zerrieben, und dann das Wasser sehr funkeln sehen, da ich darinn umgerührt habe. Deswegen glaube ich auch, dass das leuchtende in dem Seewasser nichts anders sey, als der bey Bewegung der Wällen abgeriebene Schleim von den Medusen und andern geléeartigen Thieren, davon eine erstaunliche Menge auf dem Seeboden sein muss.

Ob das Wasser unten in der See saltzer seij?Der Versuch ist sehr schwer. Ich habe nicht tiefer als etwa 30 klaften See-wasser aufhohlen können. Daran war keine merklicher unterschied der gravitatis speci¬ficae, also auch nicht der Saltzigkeit, wahrzunehmen.

Die Beschreibung des vermeinten Wächters der Pinnae, oder Cancer Pinnotheres, ist folgende:

Cancer brachyurus, glaberrimus, thorace laevi lateribus antice planatis, caudae sulco medio elato flavescente.

DESCR[IPTIO]. Ovo columbae minor, griseus, glaberrimus, molliusculus, subglobosus. Thorax fere hemisphaericus, lateribus antice planatis. Manus cheliferae inermes, non valde curvae. Oculi globosi, inserti prope os. Antennae constant seta brevissima. Cauda orbiculata, latitudine animalis, inflexa ut in congeneribus, medio obtuse noduloso-carinata. Nulli pedes praeter manus chelas habent. Obs[erva] tria puncta lateralia in S[ystemate] N[aturae] memorata non vidi, nec manus admodum curvae sunt.

Pinna rudis wird auf eine eigene Art gefischt, und häuffig nach Markte gebracht in Smirna, Constantinople und andern Gegenden herum, um sie zu speisen. Fast in allen die man aufschneidet, findet man einen solchen Krebs. Aber dass er die Pinna für die Ankunft der Sepiae octopodiae mit seinem herumlaufen warne und bewahre, kommt mir noch zu unwahrscheinlich vor. Denn da die Pinna mit einer erstaunlichen Kraft ihre Schalen zusammen kneifen kan, und weil sie am Rande scharf ist, der Sepia, wenn sie nach ihr greifen wolte, leicht den arm abscheiden zu können scheint, glaube ich nicht, dass sie fremde Hülfe gegen einen solchen Feind nöthig habe. Vielmehr glaube ich, dass die weiche Haut des Krebses ihn nöthiget die Sicherheit bey der Pinna zu suchen, und da er vielleicht die octopodie sieht, eben des wegen in der Pinna herumlauffe, damit sie ihn einschliessen möge, und damit er nicht selbst ein Raub dieses Thieres werde.

Von Seethieren, worauf die Erinnerungen von Ihnen, meine Aufmerksamkeit so sehr erreget haben, habe ich auch das Vergnügen gehabt schon viele neue zu finden. Die wahre Limax marina verrucosa Rumpfii habe ich bekommen. Es ist eine stachlichte Limax, der auf herumfliessende Fuci in der See gefunden wird Zwei andern kleinere stachlichte Seelimaces habe ich gefangen, die auch verschiedene species sind. Sertularien und andere kleine Thiere haben sich genug gezeigt. Von den gelé-artigen habe ich, ausser unterschiedliche neue Medusen, drey gantz neue Geschlächter bekommen.

1. Physsa (Blas-balg). Corpus gelatinosum, ad utramque extremitatem apertum, interne vacuum intestino unico obliquo; juxta anum saepius nucleus opacus globosus. Davon habe ich wenigstens 7 gantz verschiedene species. Sie sind auch alle von dem Mahler, den der König auf der Reise mittgeschicht, sehr wohl abgezeichnet worden. Einige davon hangen in langen Reihen an einander, und machen in der See als wie Stricke von gelée viele Ellen lang.

2. Vesicaria. Corpus gelatinosum cylindricum corpusculis gelatinosis ad latere affixis, ore subtus tentaculato; superne vesicula aerea natante. Davon habe ich 3 sehr verschiedene species.

3. Pterophorus (mit Flossfeder versehen). Corpus gelatinosum, oblongum, oculis 2 intra caput, pinna gelatinosa sub ventre vel ad caudam vel utrobique. Davon habe ich drey species, eine mehr als 4 zoll lang. Das sind überaus besondere Thiere unter die Mollusca, weil sie auch Augen haben. Fische sind es doch nicht, obwohl sie Flossfeder haben. Denn alles ist nur als ein gelée, so dass man sie kaum im Wasser sieht und es sind keine Strahlen in diesen Flossfedern. Das scheint die Fische und Mollusca auf der Gräntze zu verbinden, so wie Syngnatus die Fische und Insecten. Der Raum erlaubt nichts mehr hiezuzuthun, als die aufrichtige Versicherung, dass ich mit aller Verehrung jederzeit seye

Hochwohlgebohrner Herr Archiater und Ritter
Dero gantz gehorsamer Diener
Petr[us] Forsskål.

Constantinople d[en] 4 Sept[ember]
1761.

upSUMMARY

Peter ForsskålForsskål, Peter
(1732-1763). Swedish. Naturalist and
explorer. Linnaeus’s student, professor
in Denmark in 1759. Joined a Danish
expedition to Egypt and Arabia in 1761.
Died at Jerîm, Arabia.
Correspondent of Linnaeus.
is writing to Linnaeus in German and answers and comments on his questions.

Hermodactylus officinarum is common in Syria. Someone in Aleppo, who is half physician, half botanist, has told Forsskål that it is said to be yellow, more like Colchicum than Iris, and has a long stem and no leaves.

The phosphorescence of sea water is not caused by Nereis noctiluca. Forsskål has examined sea water in John Ellis’s Ellis, John (1711-1776).
British. Merchant and naturalist, expert
on zoophytes. Correspondent of Linnaeus.
microscope made by John CuffCuff, John (1708-1792).
British. Maker of spectacles and
microscopes in London.
[Forsskål refers to “the Ellis-type aquatic' microscope”, or “the Aquatic microscope”, sometimes also called ”the Cuff-microscope”], and believes it is a slimy element in the water from various jellyfishes that has this effect. Forsskål refers to the descriptions of various Medusa, described by Pehr LöflingLöfling, Pehr (1729-1756).
Swedish. Botanist and explorer. Studied
under Linnaeus. Went to Spain in 1751
and took part in the Spanish expedition
to Venezuela in 1754, where he died.
Correspondent of Linnaeus.
[in Iter Hispanicum, eller resa til spanska länderna uti Europa och AmericaLöfling, Pehr Iter
Hispanicum, eller resa til spanska
länderna uti Europa och America

(Stockholm 1758).
].

Is the deep sea water salter than the superficial water? After analyzing water from various depths Forsskål can see no difference in the specific gravity. However, it is a difficult experiment, and Forsskål has not analysed deeper than 30 fathoms.

Cancer Pinnotheres, “the guardian of Pinna”, is traditionally believed to guard the bivalve. Forsskål describes it and believes it is the other way round: the bivalve with its hard shell represents security for the little crayfish with its soft shell.

Pinna rudis is fished and sold in markets in Smirna, Constantinople and other places to be eaten.

Forsskål has collected Limax marina verrucosa Rumpfii and two other species of Limax. He has found three new genera of molluscs and presents a detailed description of these new genera
1. Physsa, at least seven species, which are illustrated by the painter [Georg Vilhelm Baurenfeind] that the King [Frederik VFrederik V, (1723-1766).
Danish. King of Denmark. Reigned
1746-1766.
] sent along with the journey [to Arabia].
2. Vesicaria, three species.
3. Pterophorus, three species.

upMANUSCRIPTS

a. (LS, IV, 242-243). [1] [2] [3]

upEDITIONS

1. Bref och skrifvelser (1912), vol. I:6, p. 148-151   p.148  p.149  p.150  p.151.